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Antwort auf Kleine Anfrage: Planungs- und Mobilitätsdezernent Michael Kolmer erläutert Situation zur Großbaustelle in der Frankfurter Straße

(Stadt Darmstadt) Planungs- und Mobilitätsdezernent Michael Kolmer hat in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE in der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung die momentane Situation zur Großbaustelle in der Frankfurter Straße, insbesondere zu den Gleisbauarbeiten, erläutert.

Zu erörtern war die Frage, welche Argumente gegen eine Nutzung des freibleibenden Gleises in der Frankfurter Straße für die Einrichtung einer Straßenbahnverbindung in den Darmstädter Norden mit Direktverbindung in die Innenstadt sprechen.
„Zwei Argumente sprechen hier dagegen: Zum einen wäre es im Havariefall nicht möglich, die Fahrgäste im Bereich der Baustelle sicher aus dem havarierten Fahrzeug zu führen. Zum anderen wird in den anstehenden Sommerferien auch der Überführungsverkehr in der Frankfurter Straße eingestellt, weil dann das östliche Gleis saniert wird und im Bereich des westlichen Gleises Arbeiten an den Versorgungsleitungen stattfinden. Hier sollen laut Zeitplan die Bauarbeiten bis Mitte November 2023 abgeschlossen sein“, erläutert Michael Kolmer.
Würde eine zusätzliche Straßenbahnverbindung eingerichtet, würde dies zu erheblichen Verzögerungen des Bauvorhabens führen. 
„Wenn Straßenbahnen regelmäßig durch die Baustelle fahren, müssten im Bereich der Baustelle Sicherungsposten aufgestellt und die Arbeiten für die durchfahrenden Bahnen unterbrochen werden. Insbesondere im Bereich des Kanalbaus käme es zu erheblichen Verzögerungen, da große Erdmengen und schwere, große Kanalbauteile aus- bzw. eingehoben werden müssten.
Auch während des Baus der Radweganlage müssen große Fertigungsfahrzeuge dicht am Gleis arbeiten. Da solche Arbeiten in großen Teilen nicht abschnittsweise ausführbar sind, entstünden hier erhebliche Konflikte. Während der Gleisbauarbeiten ist auch aufgrund der Sicherheitsvorschriften und der Baustelleneinrichtungsflächen in keinem Fall ein
Straßenbahnbetrieb – ob mit oder ohne Personenbeförderung – möglich“, so Kolmer.
Aufgrund des eng getakteten Bauablaufs mit einer Vielzahl von Randbedingungen würden sich derartige Verzögerungen in jedem Fall negativ auf Folgearbeiten auswirken.
So würde eine Verzögerung im Kanalbau, mit der bei regelmäßigen Straßenbahnfahrten zu rechnen ist, die Baumaßnahme bis zu einem Jahr verlängern, da der anschließende Gleisbau zwingend einen ausreichend langen Ferienzeitraum benötigt. Auch der Schienenersatzverkehr auf voller Strecke kann aus kapazitiven Gründen nur in Ferienzeiten eingerichtet werden.
„Zudem wären Folgekonflikte mit weiteren Baumaßnahmen der HEAG mobilo und der Wissenschaftsstadt Darmstadt zu erwarten. Starke Verzögerungen in der Frankfurter Straße würden den Beginn dieser Baumaßnahmen verzögern. Dies ist nicht vertretbar“, so Kolmer weiter.
Neben einem negativen Einfluss auf die Anwohnerschaft in der Frankfurter Straße durch die länger währende Großbaustelle, wirken sich Verzögerungen auch auf Folgemaßnahmen negativ aus und würden zwingend erforderliche Sanierungs- und Erneuerungsmaßnahmen in der gesamten Stadt verzögern.
Darüber hinaus war für die Kleine Anfrage aus der Stadtverordnetenversammlung die Fragestellung zu erörtern, welche Unterschiede zu der Baustelle in der südlichen Frankfurter Straße und zu der Baustelle am Mathildenplatz bezüglich der Einrichtung eines Straßenbahnbetriebs während der Bauarbeiten bestehen.
Hierzu erklärt Mobilitätsdezernent Kolmer: „Im Jahr 2020 fand am Mathildenplatz eine Instandhaltungsmaßnahme statt. Dabei handelte es sich um eine Oberbausanierung, nicht um eine grundhafte Erneuerung wie in der Frankfurter Straße. Dennoch wurden auch diese Bauarbeiten ohne Straßenbahnbetrieb durchgeführt. Da es sich um eine kleine
Instandhaltungsmaßnahme und nicht um eine grundhafte Erneuerung handelte, wurden die Arbeiten an zwei Wochenenden im Mai und Juni ebenfalls unter Schienenersatzverkehr durchgeführt.“
Darüber wurde die Frage gestellt, ob es ohne einen Straßenbahnbetrieb möglich ist, die normalerweise über die Frankfurter Straße fahrenden Busse und den Schienenersatzverkehr der Linie 4E in beide Richtungen auf der Frankfurter Straße fahren zu lassen, um eine bessere Anbindung des Martins- und des Johannesviertel stadteinwärts zu ermöglichen. Insbesondere wurde die Fragestellung erörtert, die Frankfurter Straße für den motorisierten Individualverkehr – direkte Anliegerinnen und Anlieger ausgenommen – zu sperren, um einen ampelgesteuerten Zweirichtungsverkehr für Busse zu ermöglichen.
Dazu erklärt Kolmer: „Grundsätzlich ist die Frankfurter Straße nur für Anliegerinnen und Anlieger freigegeben. Ob jede Fahrerin und jeder Fahrer tatsächlich ein Anliegen hat, lässt sich aber schwer kontrollieren. Selbst wenn nur Anliegerinnen und Anlieger die Straße passieren, entstünde eine nicht vertretbare Gefahrensituation, wenn Busse einem Kfz auf einer einbahnigen Straße entgegenkämen. Schließlich ist jederzeit damit zu rechnen, dass Anwohnerinnen und Anwohner mit dem Kfz die eigene Zufahrt verlassen. Die Ersatzbusse der Linie 5E verkehren
deshalb stadteinwärts über die Kasinostraße mit Halt an der Ersatzhaltestelle auf Höhe der Wilhelm-Leuschner-Straße und an der Haltestelle ‚Klinikum‘. Damit ist das Johannesviertel stadteinwärts angebunden. Zusätzlich verbindet die Linie L (Heinheimer Straße – Kahlertstraße – Luisenplatz – TU Lichtwiese) Martins- und Johannesviertel montags bis freitags tagsüber im 10-Minuten-Takt mit der Innenstadt. Darüber hinaus ist die Haltestelle ‚Nordbahnhof‘ noch nicht barrierefrei, so dass wir uns bei der Planung gegen den Nordbahnhof als Umsteigehaltestelle für den Schienenersatzverkehr entschieden haben.“
Die Andienung im Schienenersatzverkehr an Nordbad/Messplatz erfolgt ohne Zwischenhalte. Auf die Frage, warum eine solche Andienung nicht möglich ist und in der Planung des Schienenersatzverkehrs verworfen wurde, entgegnet Kolmer: „Die Andienung der Umsteigehaltestelle ‚Messplatz‘ erfolgt nur auf der Linie 5E ohne Zwischenhalt. Zusätzliche
Zwischenhalte in der Pützer- und der Heinheimer Straße würden die Fahrt zum zeitweise dichten Verkehr in dieser Straße zusätzlich verlängern und für die Fahrgäste im Ersatzbus zu Verspätungen führen. Grundsätzlich wurde der Schienenersatzverkehr anhand des Fassungsvermögens einer Straßenbahn geplant: Je zwei Busse ersetzen eine Straßenbahn. Diese fahren in engen Abständen zueinander an der Haltestelle ‚Nordbad‘ ab, damit sich Fahrgäste auf beide Busse verteilen.“
Auf die Frage, ob sich bei der Straßenbahnandienung des Darmstädter Nordens auch die Problematik genügend verfügbarer Fahrzeuge stellte, antwortete Kolmer: „Aufgrund von Lieferengpässen bei Ersatzteilen von Straßenbahnen besteht derzeit in vielen Städten ein Engpass in der Fahrzeugverfügbarkeit. Aus diesem Grund verkehrt die Linie 4 im 15-Minuten-Takt“.
Weiter führt Kolmer aus: „Dabei fahren die Linien 4E und 5E in einem dichteren als dem 10-Minuten-Takt, um das Fahrgastaufkommen der mit größerer Kapazität ausgestatteten Straßenbahnen auszugleichen. Die Linien H und R verkehren seit dem 25. April ebenfalls im 10-Minuten-Takt. Zusätzlich hat die HEAG mobilo ihre Fahrerinnen und Fahrer für das Thema Sichtanschlüsse sensibilisiert und wird dies auch weiterhin tun. Ziel der HEAG mobilo ist immer die größtmögliche Kundenzufriedenheit. Bauarbeiten und Ersatzverkehre sind aber leider immer mit Einschränkungen verbunden. Vor und während der Baumaßnahme steht die HEAG mobilo in enger Abstimmung mit den städtischen Ämtern. Betriebliche Maßnahmen werden regelmäßig betriebsintern reflektiert und auf Verbesserungsmöglichkeiten hin überprüft. Grundsätzlich hält die HEAG mobiBus jederzeit Busse für den Schienenersatzverkehr vor. Die Abrechnung erfolgt immer nach den tatsächlich angefallenen Kosten. Diese sind abhängig von den Kosten für Diesel, Ersatzteile und können sich jederzeit ändern. Darüber hinaus wird natürlich darauf geachtet, auch Schienenersatzverkehre so barrierefrei wie möglich zu gestalten.“

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