Endspurt bei der Modernisierung des Odenwaldnetzes

(Frankfurt am Main, 29. September 2008) Innerhalb der letzten zwölf Monate wurden bereits die Streckenabschnitte Darmstadt Ost—Groß-Umstadt Wiebelsbach und Hanau—Groß-Umstadt Wiebelsbach an das neue elektronische Stellwerk (ESTW) in Wiebelsbach angeschlossen.

In den kommenden Herbstferien erfolgt nun auch die Anbindung des 53 Kilometer langen Streckenabschnitts zwischen Eberbach und Groß-Umstadt Wiebelsbach an das ESTW. Ab dem 16. Oktober werden die Weichen und Signale auf diesem südlichen Ast des Odenwaldnetzes per Mausklick von Wiebelsbach aus gesteuert.

Die Umstellung von der alten auf die neue Stellwerkstechnik erfolgt in den verkehrsarmen Herbstferien. Der Zugverkehr wird vom 3. bis 15. Oktober zwischen Erbach und Wiebelsbach durch Busse ersetzt. In dieser Zeit werden unter anderem 68 alte Formsignale durch 45 neue Lichtsignale ersetzt. 18 mechanische Weichenantriebe bzw. Gleissperren werden gegen elektrische ausgetauscht. Neu sind 66 Achszähler, mit deren Hilfe der Fahrdienstleiter jederzeit die genaue Position eines Zuges verfolgen kann. Die Ausstattung mit dem digitalen Zugfunk GSM-R ermöglicht zukünftig einen direkten Telefon-kontakt zwischen Fahrdienstleiter und Triebfahrzeugführer.

Auch alle technisch gesicherten Bahnübergänge müssen an die elektronische Stellwerkstechnik und die höheren Fahrgeschwindigkeiten angepasst werden. Schließen und Öffnen der Schranken bzw. die Aktivierung der Lichtzeichen werden zukünftig automatisch durch Ein- und Ausschaltkontakte im Gleis ausgelöst. Der Fahrdienstleiter in Wiebelsbach überwacht diese Vorgänge nur noch. Vorteil für die Autofahrer: Durch die automatische Steuerung werden die Schließzeiten der Schranken verkürzt.

Anstelle des bisher üblichen Blinklichtes kommen Lichtzeichenanlagen mit der Farbfolge gelb-rot zum Einsatz. Durch zusätzliche Lichtzeichenanlagen an Straßeneinmündungen im Nahbereich des Schienenüberwegs wird die Sicherheit an einigen Bahnübergängen erhöht.

Insgesamt sind noch neun Bahnübergänge anzupassen. Weil dafür der zuglose Zeitraum vom 3.-15. Oktober nicht ausreicht, wurde an sechs Bahnübergängen bereits Mitte September mit der Umrüstung begonnen. Hier sichern Bahn-übergangs-Posten vorübergehend die Durchfahrt der Züge.

Die Fahrgäste der Odenwaldbahn profitieren nicht nur von einer modernen weniger störanfälligen Bahninfrastruktur, sondern auch von einer höheren Streckengeschwindigkeit. Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h statt bisher maximal 90 km/h ermöglichen Verbesserungen im Fahrplanangebot. Insgesamt werden rund 20 Millionen Euro in die Infrastruktur auf dem Südast des Odenwaldnetzes investiert.