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Neubau der Rheinstraßenbrücke über die Hauptbahnhofgleise

(Stadt Darmstadt – ono) Die große Brücke, mit der die Rheinstraße über das südliche Gleisfeld des Hauptbahnhofs geführt wird, ist in die Jahre gekommen und muss komplett ersetzt werden. Bevor dieses Mammutprojekt startet, müssen eine Reihe von Vorarbeiten bewältigt werden, deren Durchführung der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt in seiner jüngsten Sitzung beschlossen hat. Oberbürgermeister und Verkehrsdezernent Jochen Partsch, hat am Freitag (23.4.) in einer digitalen Pressekonferenz gemeinsam mit der Leiterin des Mobilitätsamtes, Katharina Metzker, über die Vorabmaßnahmen berichtet.

Lange Bauzeit
„Die Brücke der Rheinstraße wurde in den Jahren 1910 bis 1912 erbaut und ist – so zeigen uns die Brückenprüfungen, die wir seit Jahren durchführen – in einem sehr kritischen Zustand“ erklärte OB Partsch. „Aktuell wird der Zustand mit der Note 3,9 bewertet. Ab der Note 4,0 ist die Brücke nach den geltenden Richtlinien für den Verkehr zu sperren. Um die Brücke derzeit sicher unter Verkehr zu halten, werden halbjährlich Sonderprüfungen durchgeführt, um auf mögliche Veränderungen schnell reagieren zu können. Der Ersatzbau, so die derzeitige Zeitplanung, soll je nach Einigung mit der Deutschen Bahn zu den erforderlichen Sperrzeiten ab dem Jahr 2023 oder 2024 beginnen und für das Hauptbauwerk circa 3 Jahre dauern. „Hierzu werden bauliche Vorabbaumaßnahmen erforderlich, die entsprechend zu planen und zu koordinieren sind und die der Magistrat nun auf den Weg gebracht hat “, so OB Jochen Partsch. „Klar ist in jedem Fall, dass wir damit eine der größten verkehrlichen Infrastrukturmaßnahmen überhaupt angehen – und im Wortsinn eine Brücke in die Zukunft schlagen, mit einem Bauwerk, das verkehrlich auch künftigen Aufgaben voll gerecht werden wird.“

Umfangreiche Vorarbeiten beschlossen
„Die Vorabbaumaßnahmen sind unter Anderem notwendig, um den Verkehr während des Neubaus aufrechtzuerhalten und abwickeln zu können. Zudem können durch die jetzt vom Magistrat beschlossenen Maßnahmen Synergieeffekte erzielt werden. Alle Vorabbaumaßnahmen sollen so durchgeführt werden, dass die erforderlichen Beeinträchtigungen durch die Großbaustelle für die Bürgerinnen und Bürger auf ein Minimum reduziert werden“, erläuterte Katharina Metzker, Leiterin des Mobilitätsamtes. Diese Vorabmaßnahmen bestehen unter anderem aus folgenden Teilprojekten:

Einbau einer Behelfsbrücke als Führung für Fuß- und Radverkehr und als Leitungstrasse
Um den Fuß- und Radverkehr sicher und mit geringstmöglichem Umweg führen zu können, ist eine zusätzliche Behelfsbrücke geplant. Die Behelfsbrücke dient als gemeinsamer Fuß- und Radweg in beide Richtungen mit einer Breite von 2,50 Meter und wird barrierefrei ausgeführt. Die Fuß- und Radwegbrücke ist an alle Knotenpunkte bis zur Baufeldgrenze angeschlossen und stellt somit die Durchgängigkeit in Ost-West-Richtung sicher. Zudem dient die Behelfsbrücke als Träger von erforderlichen Leitungen.

Umlegung sämtlicher Leitungen der Deutschen Bahn
Sämtliche Leitungen der Deutschen Bahn müssen vor dem Baubeginn der Brücke bauseitig umgelegt werden. Die Oberleitungsanlagen, Leit- und Sicherungstechnik und die 50-Hertz-Bahnstromleitungen müssen über die Behelfsbrücke oberhalb der DB-Gleise und durch eine Rohrdurchpressung unter der Rheinstraße nach Süden durch die Grünanlagen zurück in den Bahnbereich umverlegt werden. Nach Fertigstellung des Bauwerks werden diese zurückverlegt.

Einbau einer DB-Bauweiche
Um den Betrieb der Deutschen Bahn während der Bauzeit zu gewährleisten, muss eine zusätzliche Bauweiche eingebaut werden.

Umleitungsstrecke stadteinwärts
Während der späteren Baumaßnahme beginnend mit dem Abriss des ersten Teilabschnittes auf der Nordseite der Brücke, wird eine Umleitung des KFZ-Verkehrs erforderlich werden. Diese Umleitung soll stadteinwärts durch die Einrichtung eines großräumigen Einbahnstraßenrings erfolgen. Über den noch stehen bleibenden Teil der Brücke Rheinstraße werden somit nur noch der Straßenbahn- und der Baustellenverkehr abgewickelt. Der Fuß- und Radverkehr wird über die Behelfsbrücke geführt. Stadtauswärts wird es einen kleinen Einbahnstraßenring für den KFZ-Verkehr geben. Für von der Baumaßnahme betroffene Anlieger wird die Andienung zu den Grundstücken aufrechterhalten.

Das angedachte Umleitungskonzept wurde bereits in Teilen während des Baus der Brücke Hilpertstraße und Brücke Am Stirnweg erprobt, weiter optimiert und angepasst. Dazu gab es zahlreiche Verkehrssimulationen und vertiefende Absprachen zwischen Mobilitätsamt, Hessen Mobil und HEAG mobilo. Der Einbahnstraßenring wird durchgängig zweistreifig ausgeführt. Die Belange des Fuß- und Radverkehrs sowie des öffentlichen Personennahverkehrs sind in der Umleitungsplanung berücksichtigt; Buslinien werden zeitweise verlegt, die Straßenbahnlinien 4 und 9 soweit möglich immer über den bestehenden Teil der Brücke geführt – teilweise aber auch vorübergehend im Schienenersatzverkehr bedient.

Für den Ausbau des Einbahnstraßenrings werden keine Bäume gefällt. Alle Maßnahmen in der Nähe von Bäumen werden schonend mit dem Ziel des Baumerhaltes durchgeführt.

Kanalbau
Um die Entwässerung der neuen und um 20 Meter breiteren Brücke gewährleisten zu können, muss der Kanal bis zu den Knotenpunkten Rheinstraße / Am Kavalleriesand und Rheinstraße / Berliner Allee größer dimensioniert werden. Die Einrichtung des Einbahnstraßenrings erfordert die Herstellung der Kanalschachtbauwerke in den Anschlussknotenpunkten bereits im Vorfeld.

Lichtsignalanlagen
Die Ampelanlagen an den Knotenpunkten Rheinstraße / Berliner Allee / Goebelstraße und Rheinstraße / Am Kavalleriesand / Zweifalltorweg sollen jetzt schon erneuert und mit zeitgemäßer Steuertechnik ausgestattet werden. Dadurch können Kosten für provisorische Baustellenampeln gespart werden. Während der Bauphase wird ein digitales Verkehrsleitsystem installiert, ähnlich dem System, das Hessen Mobil während der Trogsanierung betrieben hatte.

Blick in die Zukunft: Straßenraumaufteilung nach Neubau der Brücke
„Die neue Brücke wird mit 43,5 Meter erheblich breiter sein als die alte mit 26,5 Meter“, betonte OB Partsch. „Die Straßenbahn wird – anders als heute – komplett auf einem eigenen erhöhten Gleiskörper in der Fahrbahnmitte fahren. Für zu Fuß gehende und Radfahrende wird es beidseits getrennte Wege geben. Zur Querung des Knotenpunktes Zweifalltorweg / Rheinstraße / Am Kavalleriesand wird es vergrößerte Aufstellbereiche vor und hinter der Gleistrasse geben – die Situation für zu Fuß gehende und Radfahrende verbessert sich also erheblich, zusätzlich zu den Vorteilen, die sich bereits durch die kürzlich in Betrieb genommene Rad- und Fußwegbrücke über die Rheinstraße ergeben.“ Für den motorisierten Individualverkehr wird es stadtauswärts drei Fahrspuren und eine Linksabbiegerspur von der Rheinstraße in die Straße „Am Kavalleriesand“ geben. Stadteinwärts werden wie bisher zwei Fahrspuren verlaufen. 

„Die größte Herausforderung während des Baus wird die permanente Koordinierung und Steuerung der Bauphasen mit den Belangen des öffentlichen Personennah- und -fernverkehrs auf und unter der Brücke sein. Denn wir können keine Umleitung für die Bahn bauen sondern müssen sicherstellen, dass während des Baus gleichzeitig der Bahnbetrieb oben und unten planmäßig funktioniert“, erläuterte Katharina Metzker.

Große Herausforderungen
„Als Autobahnzubringer in der Verlängerung der A 672 ist die Rheinstraße die wichtigste Stadteinfahrt bzw. -ausfahrt Darmstadts. Sie ist Teil der Bundesstraße B 26 von Riedstadt über Aschaffenburg nach Bamberg und stellt auch für den Radverkehr und den ÖPNV eine wichtige Hauptachse nach Westen und nach Osten dar“, betonte Partsch. „Pro Tag befahren sie 50 000 Kraftfahrzeuge, rund 250 Straßenbahnen, und sie wird von etwa 250 Zügen unterquert. Die Brücke hat also nicht nur unter den Aspekten des Denkmalschutzes als stadtbildprägender Eingang von Westen sondern auch für die verkehrliche Erschließung unserer Stadt eine herausragende Bedeutung. Wir führen eine Operation am offenen Herzen durch. Ich bin aber zuversichtlich, dass uns dies gelingt – auch wenn uns dieses außergewöhnliche Projekt wohl über fünf Jahre begleiten und einiges abverlangen wird.“.

Hintergrund
Die Rheinstraßenbrücke wurde 1910 bis 1912 mit drei Öffnungen von der preußisch-hessischen Eisenbahnverwaltung, einschließlich der Schienen für die damalige Dampfstraßenbahn nach Griesheim, errichtet. Mit der Elektrifizierung des Hauptbahnhofs Mitte der 1950er Jahre wurde das Bauwerk für den Oberleitungsbau angehoben.

Die Rheinstraßenbrücke steht aus technischen, baukünstlerischen und städtebaulichen Gründen unter Denkmalschutz. Die aus der Entstehungszeit erhaltenen und denkmalgeschützten Bauteile der heutigen Brücke sind die Brückenköpfe aus Lavatuff, die darunter befindlichen originalen Teile der Widerlager und Böschungsmauern und die zwei Pfeilerreihen unterhalb der Brücke zwischen den Gleisen, die jeweils mit Buntsandsteinquadern verkleidet sind.  Die Brückenköpfe und das Mauerwerk werden nach Möglichkeit in den Ersatzneubau integriert. Das Mauerwerk ist als Wandbekleidung für die Flügelwände und die sich anschließenden Stützwände vorgesehen.