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2010: Groß-Bieberau Einstein-Schule: 18 Schüler sollen als Begleiter Konflikte in Transportfahrzeugen schlichten

Einsatzbereit: Saskia Keil, Johanna Weicker, Veli Senol, Marcel Fröse, (von rechts) sind vier von 18 Schülern der Groß-Bieberauer Einsteinschule, die in meist überfüllten Schulbussen für Ruhe und Frieden sorgen wollen und heute ihr Zertifikat erhalten. Sie stellen sich mit dem für das Projekt zuständigen Lehrer Gerd Kirchner und Schulleiter Hans-Joachim Göbel an der Bushaltestelle vor der Schule dem Fotografen.
Wenn um 13.10 Uhr die Schulglocke ertönt, strömt die Hälfte der 1300 Schüler der Groß-Bieberauer Albert-Einstein-Schule (AES) zur Bushaltestelle und fährt nach Hause ins Fischbach- oder Modautal, nach Fränkisch-Crumbach oder Wersau. Zu Stoßzeiten sind die Busse vollgestopft. Rempeleien bleiben nicht aus. ,,Wir wollen helfen, dass es in Bus und Bahn sowie an den Haltestellen friedlich abläuft", sagt Veli Senol (14). Der Schüler des Realschulzweigs an der Kooperativen Gesamtschule ist einer von 18 Acht- und Neuntklässlern, die eine Ausbildung zu Bus- und Bahnbegleitern absolviert haben. Zwei Monate haben die jungen Leute unter Anleitung von Wibke Orth, Deeskalationstrainerin bei der Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation Dadina, einen Kurs absolviert, der sie auf den streitschlichtenden Einsatz vorbereitete. Am heutigen Montag erhalten die Schüler das Zertifikat des Rhein-Main-Verkehrsbundes (RMV), der das Projekt mit der Dadina trägt. Ilona Jäger, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit der Dadina: ,,Unter dem Aspekt der Sicherheit bietet der RMV mit Busunternehmen diese Maßnahme in verschiedenen Regionen an. Bisher haben 800 Schüler deutschlandweit Begleiterkurse absolviert." Im Landkreis ist das Projekt seit März 2009 Teil eines ,,Schulischen Mobilitätsmanagements". Die 18 Helfer der AES sind die zweite Gruppe, die Trainerin Orth angeleitet hat. ,,Im Schuldorf Bergstraße gibt es bereits eine Gruppe. Rückmeldungen sind positiv, es gibt nicht mehr so viel Chaos in Bus und Bahn sowie an den Haltestellen", sagt sie. ,,Im Bus nach Fränkisch-Crumbach habe ich oft beobachtet, dass kleinere Kinder umgestoßen werden, größere rennen rum. Der Busfahrer schimpft, aber das nützt nicht viel", erzählt Saskia Keil (14), die ebenfalls am Training teilnahm. ,,Ich hasse es, wenn Große Kleinere ärgern", fügt sie hinzu. Freundin Johanna Weicker (13) stimmt zu: ,,Respektvolles Verhalten ist mir wichtig." Marcel Fröse (15) fährt oft mit dem Bus nach Reinheim oder Darmstadt. ,,Ich halte jetzt immer die Augen offen", sagt er. Und erzählt: ,,Mein Vater sagt, früher sei es selbstverständlich gewesen, dass junge Leute für alte Fahrgäste aufstanden. Das ist wichtig." Marcel freut sich, dass das Zertifikat bei Ausbildungsplatzsuche helfen kann. ,,Es ist ein Ausweis, der Sozialkompetenz belegt", bestätigt Gerd Kirchner, der für die AES die Projektkoordination übernommen hat. ,,Schülertransporte sind jeden Tag aufs Neue eine kritische Geschichte", sagt er. ,,Hinten im Bus passiert eine ganze Menge, während der Busfahrer auf den Verkehr achten muss. Das reicht von Kloppereien bis Sachbeschädigung." Kirchner lobt die Haupt- und Realschüler der AES. Sie stellen die Mehrheit der Kursteilnehmer.
Der Kurs stärke das Selbstbewusstsein der Schüler und statte sie mit Kompetenzen aus, die Vorbildcharakter haben. Marcel sagt: ,,Wenn wir am Montag den Ausweis und eine Dadina-Weste bekommen, hören die anderen auf uns." Die Grundregel lautet, schlichtend einzugreifen ohne sich selbst zu gefährden. ,,Zückt einer ein Messer, informieren wir sofort den Busfahrer. In Extremfällen wird die Polizei gerufen", erklärt Marcel. Veli ergänzt: ,,Rowdys fühlen sich cool, sind es aber gar nicht. Deshalb gehen sie gegen Kleinere vor." Beschimpfungen, Ranzen aufmachen, Ärgern oder Stoßen an Haltestellen hat er oft beobachtet. Ab jetzt stellt er solche Schüler zur Rede. An der Bushaltestelle vor der Schule erklärt Schulleiter Hans-Joachim Göbel, dass der Perron in den Sommerferien 2009 vergrößert und zum Schutz mit Drängelgittern versehen wurde. ,,Die Situation ist mit Lehreraufsicht allein nicht zu bewältigen. Wir haben heftigen Auftrieb an Haltestellen." Ab Montag sind nun zertifizierte Schüler eingebunden, Sozialverhalten an Gleichaltrige zu vermitteln. Eine Sache, die nicht nur Schulleiter Göbel rundum lobt.